Alles TOP
10-24-2009 Alles "TOP"?
Manchmal sind die VerdENGLISCHungen des Alltags doch ein steter Quell für Überraschungen.
So zum Beispiel die Verwurschtelung des Wortes "TOP", also "oben" (und Sinnverwandtes).
Jetzt mag es ja noch einleuchten, dass die Mädels ihr Oberteil als "Top" bezeichnen
(wenns "top" aussieht, ist es natürlich noch besser).
Aber hat sich schonmal jemand gefragt, warum Desk-TOP PCs (also PCs, die AUF dem Schreibtisch
stehen), meist doch unter selbigem vor sich hin staubfängern? Der Begriff macht schon Sinn,
da der liebe Herr IBM vor vielen Jahren, die Dinger eben AUF den Tisch gestellt haben wollte.
Nagut, jetzt schlucken wir mal so ganz nebenbei, dass die Set-TOP-Box (das Dingens, was man
neuerdings dauernd braucht, um das moderne Fernsehzeugs zu empfangen), wiedermal bei niemandem,
den ich kenne AUF sondern UNTER dem Rundfunkempfangsgerät steht.
Einzig sinnvoll hingegen erscheint der Begriff Lap-TOP. Also das Teil, das man AUF dem Schoss hat
und meist ein wohliges Gefühl der Wärme und Behaglichkeit verbreitet (bevor einen das Turbinengeräusch
der Lüfters aus den feuchten Träumen reisst).
Und auch den "Palm-TOP" (also das Teil AUF der Handfläche) lassen wir generös durchgehen.
Aber was bitte ist ein Net-TOP (eigentlich ein abgespeckter PC, der nur fürs Surfen gedacht ist)?
Wenn dieser abgespeckte PC mobil ist heisst er --- wie? - genau: "NetBOOK".
Das heisst: ein kleiner Laptop, kann ein Palmtop oder ein Netbook sein, während ein kleiner Desktop
ein Nettop ist.
Alles klar?
Die altbackene "Mütze" wird zum "HeadTOP" und der "Schornsteinfeger" zum "RoofTOP-Manager".
Was waren das für Zeiten als es nur Top-Job, Top-Gun und ZZ-Top gab und Steven Segal mit einem
Kommunikationsgerät die Welt rettete, das einfach nur "Newton" hiess (nichts mit Gravitation zu tun hatte und auch nicht deshalb vom Baum fallen musste).
Die Schlange
08-17-2009 Für den handelsüblichen Verbraucher ist die Schlange beim Einzelhändler seines Vertrauens wohl der ultimative Test seiner paranormalen Fähigkeiten:
Schon allein die Ausführungen zu den Kriterien für die Wahl der richtigen Wartezone könnten Bücher füllen, die den grossen Brockhaus wie die "Readers Digest" Ausgabe eines Lottoscheins aussehen lassen würden.
Oder - um es hier einmal mit aller Deutlichkeit zu sagen- es ist einfach nur Voodoo. Man konnte es nicht kommen sehen, aber es passiert: Der Schwachkopf vor einem, der die Einkaufswägen wohl nicht gefunden hat, hat gerade begonnen meine wertvolle Lebenszeit damit zu verschwenden, die Joghurts und die Damenbinden so kunstvoll auf die Fertigpizza so stapeln, dass er alles mit einer Hand balancieren kann, während er den Sack Holzkohle unter den Arm klemmt und den Sixpack in die verbleibende Hand nimmt. Und dann - ganz Cleverle - bemerkt, dass er die Packung "kleiner dürften sie wirklich nicht sein" auf der Theke liegengelassen hat. Zum Glück hat er vorher mit EC Karte bezahlt, die Pin 2x falsch eingegeben und sich beim dritten Versuch Beifall heischend umgesehen als wollte er sich bei "Wetten dass" als Gedächtniskünstler feiern lassen.
Derweil fängt hinter mir der kleine Racker im Einkaufswagen - getarnt zwischen Kindermilchschnitte, Küchenrollen und den Gartenschlauch "Taifun - 20 meter für nur 9 Euro 90 mit lebenslanger Spritzgarantie (nicht geeignet für Wasser mit einem Druck über 1,5 Bar - bei Feuchtigkeit im Trockenen lagern)" wild zu schreien an. Seine mutmassliche Erzeugerin bleibt ganz Profi, zeigt sich souverän und Herr der Lage. Während sie genervt und leidend das Band vollstellt und hilfesuchend das Trennerdingens sucht und hinter meinen Einkauf schieben will (nicht, dass ich noch für sie bezahle) raunt sie dem Kind magische Worte ins Ohr, wie Karl Mays Kara Ben Nemsi seinem treuen Pferd Rhi.
Es kommt wie es kommen musste. Aus den Tiefen der Getränkeabteilung, hinter Bierkästen, hinter die schon lange niemand mehr traute zu blicken, schält sich eine eigentlich unverdächtige Gestalt, die sich aber gleich als die Sorte Erdenbürger outet, vor der sich alle fürchten: Denn sie halten sich nicht an den Knigge (halten ihn eher für eine ausverkaufte Ossi Biermarke) und sprechen unversehens Leute vor ihnen in der Schlange an und brabbeln Zeugs, das keinen Sinn ergibt. Und weil man diese Menschen nicht loswird, wenn sie hinter einem in der Schlange stehen und einen vollbrabbeln, sind sie der wahre Shopping Horror. Quasi die Nemesis des Shop-o-Holikers von heute.
Naja. Was solls. Der Typ vor mir hat inzwischen seine Milchprodukte der Schwerkraft geopfert, das Mädel an der Kasse schreit nach Küchentüchern und dem Stornoschlüssel. Das Kind hinter mir benutzte den Moment der Unachtsamkeit und zerrt die Einkaufstüten unter der Theke hervor. Was seine Mutter zu einem Schreikrampf veranlasst aber ihr die Chance gibt, sich vom Blödsinn-brabbelnden-Kerl hinter ihr zu lösen und ihr Kind anzufauchen.
Es ist wie immer im Leben: einer brabbeld Blödsinn, einer weint, einer schreit und einer macht den Dreck weg.
Und ich? - achso - ich hab mich heimlich aus dem Staub gemacht ... hatte mein Geld im Auto vergessen....